Mobilität und öffentlicher Nahverkehr in Oberhaching

Wir freuen uns über die neue MVV-Tarifstruktur, die der Kreistag in intensiven Verhandlungen mit den Gesellschaftern des MVV erzielen konnte und Oberhaching besser in den MVV-Verbund Münchens integriert. Auch die verschiedenen neuen MVV-Busverbindungen in die Nachbargemeinden und einzelne Ortsteile Oberhachings, z.B. auch die Anbindung der Kugler Alm, sind ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) unserer Gemeinde.

Ein gut funktionierender ÖPNV sowie zukunftsorientierte Mobilitätskonzepte sind für die Bevölkerung und die Wirtschaft zunehmend wesentliche Standortfaktoren und auch in Oberhaching gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung.

Leider verzeichnen wir bei S-Bahn und Meridian zunehmend Zugausfälle und Verspätungen, besonders betroffen sind davon die Mitbürger unserer Gemeinde, die auf den ÖPNV auf dem Weg zu ihrer Arbeit angewiesen sind. Die Probleme werden verstärkt, nachdem die Bahn zunächst im September 2019 aus Kapazitätsgründen und nach einer kurzen Wiedereinführung der Verstärker im Dezember nun erneut den 10-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten ausgesetzt hat.

Nicht nur die eingetretenen Verspätungen, auch die in der Regel überfüllten Züge sind nicht akzeptabel und werden den Anforderungen eines modernen Wirtschaftsraums nicht gerecht. Als SPD fordern wir eine dauerhafte Verdichtung der S3 im 10-Minuten-Takt, eine Verbesserung der Verbindungen in den Randzeiten spät abends und früh morgens sowie eine Verbesserung der Infrastruktur durch Bahn und Politik, die die vielfachen Störungen sicher ausschließt, die Verlässlichkeit der Zugverbindungen gewährleistet und den Anforderungen eines modernen Wirtschaftsraumes gerecht wird.

Auch an anderer Stelle beobachten wir als Bürger Oberhachings in unserer Gemeinde die Folgen zunehmender Mobilität. Wer morgens und abends zu Hauptverkehrszeiten auf der M 11 unterwegs ist, kommt je nach Fahrtrichtung, oft nur im Schritttempo vorwärts. Innerorts verdichtet sich der Verkehr vor allem in der Bahnhofstraße, die ein sinnvolles Gegensteuern erfordert, um den Verkehr für Kinder, ältere oder mobilitätseingeschränkte Bürger und Radfahrer sicherer zu machen und die anliegenden Wohngebiete vor einem Ausweichverkehr zu schützen.

In einer sich durch Demographie und Digitalisierung schnell verändernden Gesellschaft erfordert Mobilität moderne integrierte Verkehrskonzepte, die den öffentlichen wie den individuellen Verkehr sinnvoll und flexibel verknüpfen. Dazu gehören ein gut funktionierender ÖPNV genauso wie eine gute und bedarfsgerechte Anbindung der einzelnen Bereiche unserer Gemeinde.

Gewiss kann nicht innerorts jeder Bereich Oberhachings von einer MVV-Buslinie angefahren werden. Das ist nicht überraschend, aber für ein modernes Gemeinwesen nicht mehr ausreichend. Mittlerweile bestehen aber Konzepte eines Ruf-Busses oder Bürger-Taxis (Shuttle-Taxis), die auch in Oberhaching ausgebaut und den Bürgern ganztags flexibel über digitale Plattformen und einen analogen Rufdienst angeboten werden könnten.

Gerade für ältere Menschen unserer Gemeinde sind die Wege in die Ortsmitte zu Geschäften, Frisör, Ärzten oder Apotheken oft weit und nur mit Mühen überwindbar. Auch für Kinder und Jugendliche ist die zunehmende Verkehrsverdichtung sowohl auf dem Weg zur Schule als auch zu anderen sozialen Aktivitäten bei Sport, Musik und Freizeit ein Problem.

Flexible und kommunal operierende Bürger-Taxis könnten hier Abhilfe schaffen, und mit dem Biberger Bürgerbus steht bereits ein Modell zur Verfügung, das weiterentwickelt werden könnte. Bei unseren Bürgergesprächen im letzten Sommer sind wir auf viele aufgeschlossene Mitbürger gestoßen, die sich gerade in dieser Richtung Verbesserungen und Alternativen zum Individualverkehr wünschen. Das eine oder andere 2. bzw. 3. Auto von Familien wäre so wohl auch verzichtbar und eine Reduzierung des Individualverkehrs auch innerhalb unserer Gemeinde Oberhaching möglich. Eine Verbesserung käme allen Bürgern spürbar zugute.

Ulrich Werwigk