Mit Klick-Verzicht das Klima retten?

Können wir einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz leisten, wenn wir das Internet weniger nutzen? Es wäre ja zu schön, wenn wir mit Verzicht auf ein paar lästige E-Mails und mit Einschränkung der Internetnutzung unserer Kinder ganz nebenbei auch das Klima retten. So einfach ist es aber leider nicht.

Ich hab’s nachgerechnet: Mein Smartphone benötigt, wenn ich es jeden Tag einmal voll auflade, Strom für einen Euro und vierzig Cent pro Jahr. Da lässt sich nicht viel sparen. Zum Schaden, den das Smartphone bei seiner Herstellung erzeugt hat, trägt man mit seiner Nutzung nur wenig hinzu. Auch die Datenautobahnen bieten kaum Einsparpotential, da wir sie nicht reduzieren, sondern ausbauen wollen.

Leistungsfähige Netze sind erforderlich, damit unsere Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und wir Energie sparen, wenn Dienstreisen durch Netz-Konferenzen und Fahrten ins Büro durch Heimarbeitsplätze ersetzt werden. Es bleiben noch die Rechenzentren als nutzungsabhängige Energieverbraucher.

In Deutschland lag der Energieverbrauch der Rechenzentren und Datenautobahnen zusammen jedoch 2015 deutlich niedriger als der Energieverbrauch aller Endgeräte. Das geht aus einer Antwort des Deutschen Bundestages hervor, die als „Drucksache 18/13304 18“ veröffentlicht wurde. Perspektivisch bis 2025 soll sich dieses Verhältnis zwar verschieben, aber die mittlere jährliche Steigerung des Energieverbrauchs der Rechenzentren soll nur etwa 5% betragen und durch Energieeinsparungen der Endgeräte ausgeglichen werden.

Zudem wird der Strom zunehmend regenerativ erzeugt und die im Rechenzentrum entstehende Wärme wird künftig vermehrt zurückgewonnen und z.B. in Fernwärmenetzen genutzt. Durch reduzierte Internet-Nutzung wird also auch in den Rechenzentren nur ein relativ geringer Beitrag zum Umweltschutz geleistet. Insgesamt können wir durch Einschränkung unserer Internetnutzung also nur wenig Energie einsparen. Was wir sparen ist Zeit, die wir gemeinsam mit Familie und Freunden in der realen Welt verbringen können - das ist sehr viel wert.

Aber hier in diesem Artikel soll es in erster Linie um die Umweltaspekte der Internet-Nutzung gehen und da gibt es folgende Empfehlungen: Die Nutzung von energiesparenden Endgeräten (z.B. Smartphone statt PC) und der Verzicht auf den vorzeitigen Austausch des Smartphones beispielsweise sobald ein neues Modell auf den Markt kommt. Viel effektiver können wir aber die Umwelt schützen, indem wir die Verbrennung fossiler Energieträger reduzieren. Gerade in unserer Gemeinde Oberhaching bietet sich mit der Geothermie eine außergewöhnlich gute Gelegenheit dazu.

Michael Frerkes